Häufig
verwendete Software
Hier ist zu unterscheiden, welches Betriebssystem man verwendet oder
verwenden will, Windows oder Linux.
Linux kann unter Windows XP auch simuliert werden mit dem Programm "cygwin".
Für cygwin gibt es eine speziell kompilierte MIDAS-Version.
Allerdings laufen scripte unter cygwin langsamer als in einem Original-Linux-Betriebssystem
(Ubunto, openSuse,...). Unter Vista habe ich vor kurzem Schwierigkeiten gehabt,
überhaupt das X-System in cygwin zu starten.
Auf zusätzliche Möglichkeiten der Betriebssystem-Emulierung wie VMware
möchte ich mangels eigener Erfahrungen hier nicht eingehen.
MIDAS (unter Linux)
Das von den europäischen Astronomen verwendete ESO-MIDAS
ist unter Linux lauffähig. Eine Windows-Version gibt es davon nicht. Es
ist kostenlos herunterladbar von der ESO-website.
Die möglichen Plattformen sind: * SUN Solaris 8 * Intel/Linux SuSE 10.3
* AMD 64/Linux SuSE 10.3 * INTEL/Linux Kubuntu 7.04 * INTEL/Linux Kubuntu 7.10
* INTEL/Linux Fedora 8 * INTEL/Linux Mandriva 2008 Spring * INTEL/Linux Debian
4.0 Etch * INTEL/Linux ScientificLinux 5.0 * PowerPC/Mac OSX 10.4 * INTEL/Win
2000, Win XP (via cygwin)
MIDAS besteht aus einer Unzahl von Skripten und Umgebungen ("context").
Angefangen von der Prüfung der CCD, Bildbearbeitung, komplexen Auswertungen
wie Zeitreihenanalysen, aber auch spezielle Auswerte-scripte für die Spektroskopie
vom Spaltspektrograph bis hin zu den Echelle-Spektrographen - alles ist in MIDAS
zu finden. Allerdings sind die scripte in einer Linux-Konsole mittels Befehlen
zu steuern. Es ist für den Mausklick-verwöhnten Anfänger aus
der Windows-Welt wegen der ungewohnten Syntax schwierig, sich einzuarbeiten.
Deshalb hat unser Freund Günter
Gebhard aus Neumarkt -Günter sei Dank - Scripte verfaßt, welche
die komplexen Datenreduktionsvorgänge im Hintergrund automatisch ablaufen
lassen, so daß die Anzahl der vom Nutzer einzugebenden Befehle übersichtlich
bleibt. Vieles wird auch per Mausklick erledigt. Diese Wunderwerke von Datenreduktions-Programmen
können Sie hier unter
"Datareduction" kostenlos herunterladen. Der Kontext OPA ist
für spaltlose Spektrographen, und SMS für Spaltspektrographen
konzipiert, weil zwischen beiden Spektrographentypen prinzipielle Unterschiede
in der Auswerteroutine bestehen. Ich kenne kein Programm, das so unkompliziert
und schnell Rohaufnahmen eines Spaltspektrographen in das kalibrierte Spektrum
überführt: Mit 3 Befehlen in SMS ist das in wenigen Minuten erledigt.
Dazu kommen dann noch optionale Befehle für die Bestimmung der Auflösung,
Normierungsvarianten, Äquivalentweitenbestimmung von Linien, Abspeicherung
von Spektren (Grafiken) in unterschiedlichen Formaten (.png, .bmp, .pdf ...)
und einiges mehr - je nachdem was man möchte.
SMS und OPA unter MIDAS protokollieren jeden Programmschritt und speichern auch
die Zwischenergebnisse (Spektren, Mediane von Darks etc.), so daß eine
durchgeführte Auswertung bis in das kleinste Detail nachuntersucht werden
kann, wenn man das wünscht. Das bieten nichtprofessionelle Programme aus
der Amateurszene in dieser stringenten Form nicht. Da muß man Ergebnis
glauben und wenn was ungewöhnliches auftritt weiß man nicht, was
wo passiert ist.
Wenn man noch nie mit Linux gearbeitet hat, sind einige Hürden zu überwinden
und der innere Schweinehund dazu. Zuerst ist das Betriebssystem Linux zu installieren,
was man auch parallel zu Windows auf einem PC (in verschiedenen Festplattenpartitionen)
tun kann. Man hat dann beide Betriebsysteme auf dem gleichen PC zur Verfügung.
Die Linuxdistributionen (openSuse, Ubunto u.a.) geben bei der Installation Gelegenheit
dazu. Falls Windows die komplette Festplatte besetzt (es hat eben ein einnehmendes
Wesen), muß man vorher die Größe dieser Windows-Partition verkleinern.
Unter Vista kann man das in der Systemsteuerung/Verwaltung/Datenträgerverwaltung
mit dem Befehl "Volume verkleinern" erledigen. Für ein modernes
Linux-System sollte man mindestens 5 GB zur Verfügung haben. Wenn man viele
Aufnahmen speichern will, eher noch mehr. Das hängt von der verfügbaren
Festplattenkapazität Ihres PC's oder Labtops ab. Das Linux-Betriebssystem
selbst benötigt schon über 2 GB, wenn grafische Oberfläche (KDE
oder GNOME) ähnlich der in Windows gewünscht ist.
Wenn Linux installiert ist kommt der zweite Schritt: Die Installation von MIDAS.
Dazu gibt es auf der ESO-website immer eine Installationsanleitung. Die letzte
Version ist zu bevorzugen. Derzeit ist es 08FEBpl1.1.
Und der dritte Schritt ist dann die Installation des OPA
und/oder des SMS.
Eine sehr nützliche Einführung in MIDAS gibt Günter Gebhard
auf seiner website: "Erste
Schritte in MIDAS". Eine gute Ergänzung
ist hier zu finden (gute Tips zu Alltag mit MIDAS).
SMS (unter ESO-MIDAS unter Linux für die Auswertung
von Serienaufnahmen von Spaltspektrographen)
Vorausgesetzt, die mechanische Stabilität des Spektrographen ist ausreichend,
daß der Strahlengang innerhalb des Spektrographen während einer Aufnahmeserie
nicht verändert wird, sind die Spektrenstreifen der Einzelaufnahmen pixelgenau
an der gleichen Stelle, sowohl in Richtung der Dispersion (x-Achse) wie auch
quer dazu (y-Achse). Unter diesen Umständen darf man die extrahierten Spektren
innerhalb der Datenreduktionsroutine direkt addieren. Dagegen wird bei spaltlosen
Spektrographen ein Behandlungsschritt eingeschoben, bei dem die extrahierten1D-Spektren
eindimensional in der x-Achse so verschoben werden, daß sie alle exakt
übereinander passen.
SMS erledigt die Datenreduktion, ohne daß man Flats, Bias oder Darks zur
Verfügung stellen muß. Solche können zwar berücksichtigt
werden, aber es geht auch ohne. Bias und Dunkelstrom sind in jeder Einzelaufnahme
im Hintergrund neben dem Spektrenstreifen enthalten. Das Script erzeugt für
jede einzelne Pixelspalte jeder Aufnahme ein Polynom für den Hintergrund
(der sich aus Himmelshintergrund, Streulicht, Dunkelstrom und bias, Ausleserauschen,
zusammensetzt) und zieht dieses "Hintergrund-Modell" von jeder Aufnahme
ab. Cosmics und heiße Pixel werden statistisch erkannt, wenn einzelne
Pixel von den Nachbarpixeln erheblich abweichen. Auch diese werden automatisch
durch Filter abgeschwächt. Die Möglichkeit, all das in einem Schritt
routinemäßig ohne notwendige Handeingriffe zu erledigen, ist
mir von keinem anderen Programm in dieser Konsequenz bekannt. Deshalb verwende
ich für die Routine-Reduktion meiner Serienaufnahmen mit dem Spaltspektrographem
LHIRES III grundsätzlich SMS.
Nachdem mit den drei ersten Befehlen das mit einem Vergleichsspektrum (Aufnahme
einer Kalibrierlampe) kalibrierte Summenspektrum erzeugt wurde ist die Hauptarbeit
eigentlich erledigt. Anschließend kann man das Spektrum auf einen Punkt
normieren (damit sich die Werte des relativen Fluxes (y-Achse des Graphs des
Spektrums) um 1 bewegen und nicht bei irgendwelchen astronomischen Zahlen).
Mit dieser "Normierung" wird nur die y-Skala skaliert (mathematisch
eine lineare Transformation), das gemessene Spektrum wird an sich nicht verändert.
Anders wird das, wenn man das Spektrum mit dem Kontinuum des Sterns normiert.
Dabei muß der Nutzer selbst die Stützstellen per Mausklick festlegen,
die das Kontinuum des Sternspektrums definieren. Wenn breite Linien im Spektrum
vorhanden sind oder "breite" blends vieler Linien, dann ist diese
Festlegung der Stütztstellen "persönlich eingefärbt",
also subjektiv. Normierte Spektren sind also keine reinen Meßprodukte,
sondern sie sind vom Nutzer beeinflusst. Deshalb speichere ich bei meinen Meßergebnissen
immer das originale Summenspektrum und das Einpunkt-normierte Spektrum
ab. So kann man auch Jahre später auf Spektren in der Original-Version
unter anderen wissenschaftlichen Fragestellungen zurückgreifen und beliebig
auswerten. Aus einem aufs Kontinuum normierten Spektrum lässt sich das
originalspektrum nicht mehr rekonstruieren, es sei den, man hat die Kontinuumsfunktion
(ein spline der manuell eingegebenen Stützstellen) mit abgespeichert.
Man hat noch die Möglichkeit das S/N-Verhältnis des normierten Spektrums
zu bestimmen (Signal-Rausch-Verhältnis), Äquivalentweiten der im Spektrum
enthaltenen Linien zu messen, den Graphen zu beschriften, den Graphen zu speichern
(.gif, oder .jpg oder andere Formate) und einiges mehr.
OPA (unter ESO-MIDAS unter Linux für die Auswertung
von Serienaufnahmen von spaltlosen Spektrographen)
OPA ist für die Auswertung von Serienaufnahmen konzipiert, die mit einem
spaltlosen Spektrographen gemacht wurden. Ähnlich wie in SMS werden mit
wenigen Befehlen die Aufnahmen und die zugehörigen darks, biasis und flats
zu einem korrigierten Summenspektrum vereinigt. In OPA sollten mindestens darks
verwendet werden, aufgenommen unter gleichen Bedingungen und mit gleicher Belichtungszeit
wie die Objektaufnahmen. Flats sollten einbezogen werden, wenn sie guter Qualität
sind. Die Eingabe eines Kalibrierspektrums ist hier nicht erforderlich. Stattdessen
werden die extrahierten 1D-Einzelspektren mittels Korrelationen passend übereinander
gelegt und addiert zu einem Summenspektrum, das anschließend kalibrierbar
ist. Die Kalibrierung erfolgt durch Identifizierung von Linien des Spektrums.
Die Kalibrierung erfolgt dann allerdings im Bezugssystem des Objekts. Kommt
es auf die absolute Kalibrierung an, um z.B. Radialgeschwindigkeiten zu messen,
muß mit Linien kalibriert werden, die im Bezugssystem des Beobachters
gemessen wurden. Zum Glück gibt es solche: Die terrestrischen Linien, die
in der Erdatmosphäre (Luft) gebildet werden (Sauerstoffbanden und Wasserlinien).
Das gelingt besonders gut bei der H alpha Linie des neutralen Wasserstoffs bei
656,3 nm. Nach der Kalibrierung kann wieder normiert werden und es stehen eine
Reihe von Skripten zur Verfügung, um Größen wie das S/N, Äquivalentweiten
von Linien, V/R-Verhältnis (bei Be-Sternen) und beschriftete Graphen zu
erzeugen.
Übrigens: Die sehr scharfen Wasserlinien sieht man erst ab Auflösungen
R = ca. 6000, schärfer ab 10000. Sie haben nämlich physikalische Linienbreiten
im Bereich weniger Hundertstel Angström. Ihr Linienprofil im gemessenen
Spektrum spiegeln also die Abbildungsfunktion des Spektrographen wider. Aus
ihnen lässt sich unmittelbar die erreichte Auflösung ableiten.
VSpec (Windows)
Vspec ist ein von Valery
Desnoux geschriebenes kostenlos erhältliches Programm auf Windows Platform,
mit dem ein zuvor (mit IRIS) erzeugtes 2D-Summenspektrum oder auch eine unbehandelte
Rohaufnahme zuerst einmal als "Foto" dargestellt wird. Das ganze Programm
arbeitet auf grafischer Basis, fast alle Befehle werden durch Mausklicks erledigt.
Deshalb ist das Programm für den Anfänger sehr gut geeignet.
Er kommt mit deutlich geringerem Zeitaufwand zu passablen Ergebnissen wie im
Vergleich zu MIDAS. Um den Spektrenstreifen legt man ein skalierbares Fenster
und klick -schon ist das 1D-Spektrum extrahiert. Es lassen sich auch Referenzspektren
einbeziehen (wie z.B. die Neonspektren bei Verwendung eines Spaltspektrographen).
Zur Kalibrierung des 1D-Spektrums lassen sich dann viele Hilfsmittel aus dem
Werkzeugkasten nehmen
Nach der Kalibrierung lässt es sich auch leicht durch Mausklicks auf das
Kontinuum normieren, wenn man dies möchte. Auch die Bestimmung der Äquivalentweiten
ist ein Kinderspiel und sonstige mathematische Operationen mit dem Spektrum,
wie z.B. die Korrektur mit einer Responsefunktion der Meßapparatur, gewonnen
an einem spektroskopischen Standardstern. Sogar der direkte online-Zugriff auf
Daten der SIMBAD-Datenbank sind möglich.
Alles in Allem ein gelungenes Programm, das in den letzten 5 Jahren wesentlich
verbessert wurde, insbesondere auch, was den störungsfreien Ablauf (bugs)
betrifft. Ich kann es nur jedem Anfänger wärmstens empfehlen, damit
ist der Einstieg in die Datenreduktion schnell zu schaffen. Ein Nachteil (?)
soll nicht verschwiegen werden: Die verfügbaren Programmsprachen sind Französisch
und Englisch.
IRIS (Windows)
IRIS,
von Christian Buil geschrieben, ist ein kostenlos erhältliches Bildbearbeitungsprogramm
mit dem Schwerpunkt auf der Reduktion von Spektrenaufnahmeserien. Damit
werden Cosmics entfernt, die Dunkelstromkorrektur, die Himmelshintergrundkorrektur
usw. Am Ende steht steht ein entsprechende Summenaufnahme zur Verfügung,
die dann in VSpec extrahiert und weiter verarbeitet wird. Es lässt sich
aber auch die Extraktion bereits in IRIS durchführen. Auch hier gilt: "Amtssprachen"
sind Englisch und Französisch.
Links zu weiterer Software findet man z.B. auf der website der Fachgruppe
Spektroskopie auf dem VdS-Server unter Links >> Datenreduktion. Aber
ich denke, die wirklich wichtigen habe ich hier aufgeführt. Ich verwende
beide Programm-Komplexe: Ab und zu mal IRIS/VSpec für den schnellen Überblick
oder für Linienidentifikationen, für die täglichen Routineauswertungen
dagegen SMS und für mehr wissenschaftlich orientierte Auswertungen MIDAS
in Form von Einzelbefehlen oder spezieller Skripte.Obwohl es auf den ersten
Blick so aussieht, dass IRIS und VSpec doch alles Erdenkliche bieten, ist doch
das professionelle MIDAS um Potenzen mächtiger wie die speziell für
die Bedürfnisse der Amateurszene geschriebenen Programme.