Gewinnung
von Summenspektren aus Serienaufnahmen (Datenreduktion)
Grundlagen
Wir betrachten hier nur den Fall, dass die Aufnahmen mit
einer CCD-Kamera gemacht wurden. Photographische Aufnahmen sind heute von
der CCD-Technik abgelöst und spielen keine praktische Rolle mehr im Amateurbereich.
Mit Digitalkameras habe ich keine spektroskopische Erfahrung und möchte
sie deshalb hier auch ausklammern, obwohl ihre Bedeutung in Amateurkreisen kontinuierlich
zunimmt.
Zur CCD-Technik: http://www.nova-ccd.de/kodak_inside.htm
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Jede CCD-Aufnahme enthält bestimmte Komponenten, die mit dem zu
messenden Signal (dem Spektrenstreifen des dispergierten Sternbildes,
siehe linkes Foto) nichts zu tun haben und als Störelemente aufgefasst
werden müssen. Sie haben aber einen konkreten physikalischen Hintergrund
und lassen sich teilweise statistisch beschreiben und eliminieren. Betrachten wir zuerst die von der CCD-Kamera verursachten Effekte.
Diese sind unabhängig von der verwendeten Optik (Teleskop, Spektrograph). Bias: Jede CCD-Aufnahme enthält in jedem Pixel ein Mindestniveau
an Signal, das aus technischen Gründen erzeugt wird. Dieses bias
wird gemessen, in dem eine Aufnahme ohne Lichteinfall (geschlossener Verschluß)
mit möglichst kurzer Belichtungszeit gemacht wird (< 1 sek). Im
bias sollten alle Pixel etwa den gleichen Wert aufweisen. Die relative
Standardabweichung des bias-Wertes sollte möglichst gering sein.
Dies ist ein relevantes Qualitätskriterium der jeweiligen Kamera.
Es sollten auch keine Pixel dramatisch aus der Reihe fallen. Dieses bias
wird bei der Datenreduktion eliminiert. Dunkelstrom: Jedes Pixel produziert als thermisches Rauschen Elektronen, welche eingefallene Photonen (Licht vom Objekt) vortäuschen. Diese Dunkelstromrate in e/s (Elektronen/sek) ist stark (exponentiell) temperaturabhängig. Um sie möglichst klein zu halten, wird das CCD-Chip in den für astronomische Zwecke hergestellten CCD-Kameras gekühlt. Bei Amateurgeräten durch ein- oder zweistufige Peltierelemente (20 bis 40°C unter Umgebungstemperatur), in professionellen Geräten mit flüssigem Stickstoff (-180°C). Der in einer konkreten Aufnahme enthaltene Dunkelstrom ist proportional der Belichtungszeit und er ist von der Temperatur abhängig. Deshalb ist eine gute Temperaturregelung für den CCD-Chip wichtig (+- 0,1°C). Die Güte der Temperaturregelung ist ein Qualitätskriterium der jeweiligen CCD-Kamera. Nun ist die Dunkelstromrate nicht für alle Pixel gleich. Einige produzieren mit einer höheren Rate "dunkle Elektronen", sie heissen "heiße Pixel". Sie sind im dunklen Hintergrund als einpixelige weiße Flecken sichtbar (siehe nebenstehende Aufnahme). Der Dunkelstrom der Pixel (auch der heißen Pixel) muß im Verlauf der Datenreduktion eliminiert werden. |
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Cosmics: Gelegentlich trifft ein Partikel der Höhenstrahlung
den CCD-Chip und zieht eine Spur von induzierten Elektronen (manchmal
über 1 mm (ca. 100 Pix.)). Diese beliebig orientierten Streifen nennt
man "cosmics". Sie treten immer nur in einer Aufnahme einer
Serie auf und sind ein singuläres Ereignis. Sie können durch
spezielle Routinen in der Datenreduktion erkannt und eliminiert werden.
Besser ist es, alle Aufnahmen einer Serie in einem Bildbearbeitungsprogramm
wie IRIS zu kontrollieren. Eine Aufnaheme mit starkem cosmic im
Spektrenstreifen würde ich eliminieren. Der Lehrbuch-cosmic im nebenstehenden
Bild stört den Spektrenstreifen nicht. In der Aufnahme links mein bisher größtes cosmic. Die spaltlose Aufnahme ist nur 1 Minute belichtet, weshalb das Hintergrundrauschen deutlich hervor tritt. |
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Links ein screenshot in MaximDL, das ein y-Profil durch
eine Rohaufnahme zeigt. Neben dem dominierenden Spektrenstreifen sind
auch heiße Pixel zu sehen. Der Untergrund ist homogen. Kommen wir zu den Inhalten einer Rohaufnahme, die nicht von der Kamera
abhängen, also entweder im Spektrographen erzeugt werden (Streulicht)
oder wirklich vom Himmel stammen (Himmelshintergrund, Nebellinien). Streulicht ist schwierig zu erkennen. Bei Spaltspektrographen
erzeugt das Streulicht auch neben dem Spaltabbild eine "Intensität".
Es ist schwierig zu eliminieren. Man sollte durch gutes "Abdichten"
möglicher Lichtlecks des Spektrographen minimiert werden (Abkleben
von Lichtlecks des Spektrographen mit schwarzem Klebeband oder Dichtungsmasse,
Einpacken in lichtundurchlässigen Stoff oder Folie etc.). Der Himmelshintergrund ist in Form von Lichtverschmutzung ein
großer Störfaktor für den visuellen Beobachter und den
Astrophotographen. Der Spektroskopiker hat es da besser. Der Himmelshintergrund
lässt sich während der Datenreduktion eliminieren. Ein gleichmäßiger
Gradient über die x- oder y-Achse oder beide ist für moderne
Reduktionssoftware kein Problem. So wird die Lichtverschmutzung durch
Nachbars Partyleuchten beherrschbar. Die Helligkeit eines dunklen Himmels (in Namibia) entspricht etwa 18 mag/arcsek². Bei uns sind eher 16 mag/arcsek² die Regel. Übrigens lässt sich der ansonsten starke Himmelshintergrund bei spaltlosen Spektrenaufnahmen durch einen breiten Spalt (durch den das komplette Sternscheibchen fällt) deutlich reduzieren, weil der Großteil des Himmels ausgeblendet wird. Bei Spaltspektrographen spielt der Himmelshintergrund eine geringere Rolle, weil er duch den schmalen, auflösungbestimmenden Spalt sehr effektiv abgeblendet wird. |
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Neben den bereits aufgeführten in der Einzelaufnahme vorhandenen
"Hintergrunddaten" gibt es noch durch die Optik erzeugt Artefakte:
Vignettierungen (Abdeckungen), Schatten von Staubkörnern,
in seltenen Fällen auch "Fringes". Vignettierungen zeigen sich durch starke Helligkeitsgradienten
in der Aufnahme. Der CCD-Chip ist nicht mehr gleichmäßig ausgeleuchtet,
weil irgendwo ein Teil des Lichtstrahls nicht weitergeleitet wird, weil
irgendwas im Weg ist oder die optischen Achsen der optischen Elemente
nicht exakt linear ausgerichtet sind. Hier muß man versuchen, die
Gründe zu finden und möglichst zu eliminieren. Schatten von Staubkörnern werden durch eine (zur Verbesserung der
Statistik aus vielen Aufnahmen gemittelte) Flat-Aufnahme eliminiert.
Es handelt sich meistens um Schmutz, der auf der Kamera-Abdeckglasplatte
direkt vor dem CCD-Chip sitzt. Das "flat" links (Spaltspektrograph LHIRES III) zeigt alle
diese Effekte:
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Fringes sind ein seltener Effekt, sie werden durch das Deckglas
des CCD-Cips erzeugt (Interferenzen). Ich habe sie bisher erst einmal
bei einer Kamera erlebt, die sich deshalb für spektroskopische Messungen
als weniger brauchbar erwiesen hat. Der Effekt ist bei normaler Verwendung
einer solchen Kamera in der Astrophotographie nicht erkennbar. http://en.wikipedia.org/wiki/Fringe_shift Die umfangreiche Diskussion über diesen Effekt bei meiner damaligen
Kamera finden Sie unter http://spektroskopie.fg-vds.de/forum/viewtopic.php?t=2149&highlight=welligkeit Die nebenstehende Auswertung einer Aufnahme der monochromatischen Linie
eines Justierlasers (Spaltspektrograph, LHIRES III) zeigt deutlich, dass
neben der intensiven Laserlinie viele "fringes" (Nebenlinien)
auftreten. Es handelt sich wohl um Interferenzen, evtl. verursacht durch
das (zu) exakt parallel geschliffene Deckglas der CCD. Ich habe von Asatronomen gehört, dass bei professionellen (für Amateure unbezahlbaren) CCD-Kameras wegen genau diesem Effekt keine parallel geschliffenen Deckgläser verwendet werden. Hier wird dem Deckglas eine prismatische Form gegeben. |
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In der Originalaufnahme sind die fringes auch als schwache "Nebenlinien" zu sehen (Grafik links, die primäre Spaltabbildung ist in der Laserlinie überbelichtet). |
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Die störenden Auswirkungen der fringes (Welligkeit) sind bereits
in den Rohspektren eines Sterns sichtbar. Die fringes bewirken kurze "Wellen",
die besonders im Kontinuum des Sterns erkennbar sind. Falls solche "fringes" auftreten, bleibt wohl nur der Wechsel der Kamera. |
Wir haben jetzt die "Störkomponenten" in den Rohaufnahmen behandelt. Auf der nächsten Seite ist die allgemeine Prozedur beschrieben, wie die Aufnahmen einer Serie reduziert werden sollten. Erst nach diesen Grundlagen gehen wir auf die Reduktionssoftware ein.