Normierung
von Spektren
Das kalibrierte 1D-Spektrum, meistens erhalten durch Summierung einer
Aufnahmeserie unter Anwendung von Datenreduktionsprogrammen wie IRIS&VSpec
oder MIDASA&OPA oder MIDAS&SMS, ist ein "Kurve", bei der jedem
Pixel in Dispersionsrichtung (oder den Wellenlängenschritten Angström/Pixel
= Dispersion) ein Lichtfluß (Flux) zugeordnet ist. Umgangssprachlich würden
wir "Intensität" dazu sagen. Also in x-Richtung des Grafen ist
von links nach rechts die linear steigende Wellenlänge abgetragen, und
in y-Richtung der relative Flux in ADU der über den Spektrenstreifen in
y-Richtung integrierten Pixel-Intensitäten (Einheit ADU = Analog to Digital
Unit, ermittelt über den Verstärkunsgfaktor "gain" des Digital-Analog-Umsetzers
der CCD-Kamera, beispielsweise 2,3e/ADU).
Das Licht bzw. das optische Spektrum eines Sterns setzt sich absolut aus mehreren
Anteilen zusammen. Das glühende Gas an der Oberfläche (Photosphäre)
des Sterns strahlt das glatte linienfreie Licht des "schwarzen Strahlers"
aus, dessen Intensitätsverteilung den bekannten Kurvenverlauf (Planck'sches
Strahlungsgesetz) besitzt. Intensität und Intensitäts-Wellenlängen-Verteilung
des schwarzen Strahlers sind stark von der Temperatur abhängig. Dann werden
dem glatten Spektrum in den äußeren Gasschichten des Sterns (unter
anderen physikalische Bedingungen) Absorptionen
und Emissionen aufgeprägt, die wegen der geringen Drucke in diesen
Schichten meist als Linien zu erkennen sind (Absorptions- und Emissionslinien,
siehe auch Fraunhoferlinien
der Sonne). Das Stern-Licht wird dann noch in der Erdatmosphäre verändert
(z.B. terrestrische Linien durch Absorptionen von Wasser- und Sauerstoffmolekülen).
Diese physikalisch reale Sternlicht fällt durch unsere Optik, wird dispergiert
und das Spektrum wird von dem CCD-Chip der Kamera registriert. Dabei wird der
physikalischen Intensitätsverteilung noch die Empfindlichkeit der Pixel
überlagert, und die ist für unterschiedliche Wellenlängen durchaus
variabel (vgl. Empfindlichkeitskurven unterschiedlicher CCD-Chips unter Datenreduktion).
Deshalb entspricht das gemessene Rohspektrum nicht der realen physikalischen
Intensitätsverteilung, sondern die Auftragung in der y-Achse ist eine relativer
Flux (der allerdings bei Kenntnis der "Responsefunktion" der Apparatur
in einen relativen Flux umgerechnet werden kann, der qualitativ den physikalischen
Flux bis auf einen Faktor wieder gibt).