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Mathematisch ist die W definiert nach folgender Gleichung:

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Mit
- lambda1 und lambda2 =
untere und obere Wellenlängengrenze der betrachteten Linie
- Fc = relativer Flux des Kontinuums
- Flambda = relativer Flux der Linie
Nach dieser Gleichung ist keine Normierung des Spektrums erforderlich, um
die W ermitteln zu können, aber es muß der Verlauf des Kontinuums
unter der Linie bekannt sein (das Quasikontinuum", also Fc(lambda)).
Nach obiger Definition ergibt sich die W einer Absorptionslinie als positive
Zahl. Die Fläche unter einer Emissionslinie wird dagegen negativ gezählt. |
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In der Realität verfügen wir nicht über eine kontinuierlich
über die Wellenlängen gemessene Funktionen von Flambda
und Fc, sondern um diskrete Meßwerte der einzelnen
Pixel, die jeweils zu einem Längenwellenintervall gehören. Damit
wird die Integration durch eine Summenbildung über die Pixel (Dispersionselemente
hlambda) ersetzt, welche die Linie innerhalb der
Liniengrenzen bilden.
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Beispiel

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Wir sehen links ein kalibriertes, aber nicht normiertes Spektrum von
lam Cep, einem O-Stern. Neben dem Natriumdublett (5889 und 5896 Angström)
ist die stark rotationsverbreiterte HeI5876 zu finden. Mit dem MIDAS-Befehl
"integrate/line" wurde die W dieser Lienie bestimmt. Mit 2 Mausklicks
wurde der Integrationsbereich festgelegt und das Kontinuum dazwischen
durch eine Gerade modelliert (Das ist die gestrichelte Linie am Fuß
der Absorptionslinie bei ca. 50.000 ADU).
Der Ausdruck des ausgeführten Befehls dokumentiert die Festlegungen
(Anfangs und Endpunkt der integrierten Linie = 5858.55 bis 5879.09 Angström)
und die berechnete W = 0,9785 Angström.
Midas 012> INTEGR/LINE lamCep20080827_CIV
X_start (pix/world) X_end (pix/world) Pixel sep.
Line+Cont. Continuum Line Line/Cont Equiv. w.
----------------------------------------------------------------
5858.55 724.787 5879.09 881.230 0.131279
978934. 0.102791E+07 -48974.2 -0.476446E-01 0.978505
In diesem Beispiel konnte das Quasikontinuum im Bereich der
Linie linear angesetzt werden, in vielen anderen Fällen müssen
wegen der Krümmung des Spektrenverlaufs viele Stützpunkte gewählt
und daraus ein Polynom erzeugt werden. Das Bezugskontinuum ist dann eine
Kurve. Diese Festlegung des Quasikontinuums aus vielen Stützstellen
lässt sich sowohl in MIDAS (OPA, SMS) wie auch VSpec durch Mausklicks
erledigen.
Es gehen individuelle Beurteilungen über den Verlauf des Kontinuums
in das Ergebnis ein. Das Ergebnis ist kein Meßergebnis mehr, sondern
ein interpretiertes Ergebnis.
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| Der Vorteil der Äquivalentweite W ist ihre Unabhängigkeit
von der Auflösung R des Spektrographen. Damit werden "Linienintensitäten"
unterschiedlicher Beobachter mit verschiedenen Spektrographenauflösungen
direkt miteinander vergleichbar, für die Amateurszene ein wichtiger
Aspekt. |
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Links ist die komplexe Halpha Linie von bet
Lyr in Emission zu sehen. Sie wurde mit OPA in MIDAS integriert. Die
untere gerade Linie ist der angenommene Kontinuumverlauf. Die berechnete
W von -14,28 Angström ist negativ, weil es sich um eine Emissionslinie
handelt. Die W ist geometrisch die vom Quasikontnuum und dem normierten
Spektrumgebildete rot umrandete Fläche.
Es wurde auch noch das V/R Verhältnis bestimmt. Es ist das
Intensitätsverhältnis des Maximums des kurzwelligen peaks (V
= violet) und des Maximums des langweliigen peaks (R = red), eine Größe,
die sich bei Be-Sternen oftmals zeitlich verändert und deshalb von
Interesse ist.
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Links das Spektrum von P Cyg, der hellsten LBV am Nordhimmel (LBV = Luminous
Blue Variable). Der Stern verfügt über viele Linien in Emission,
die in seiner ausgedehnten heißen Hülle unter dem Einfluß
des intensiven ultravioletten Lichts der sehr heißen Sternoberfläche
entstehen.
Die breite Halpha Linie zeigt das typische P Cyg
Profil, eine Emission, die von einer kurzwellig verschobenen scharfen
Absorption begleitet wird. Letztere wird in dem starken, vom Lichtdruck
nach außen beschleunigten Sternwind erzeugt. Die beiden Peaks bei
6580 Angström werden durch ionsisierten Kohlenstoff CII erzeugt.
Die Linie mit P Cyg Profil bei 6678 Angström gehört zu HeI.
Die Emissionsstärke der Halpha Linie ist außergewöhnlich
groß, W = -68,8 Angström. Im Maximum der Linie strahlt das
Objekt rund 20mal heller wie die Photosphäre des Sterns! Hier sieht
man auch, dass in die W alle Komponenten der Linie aufgenommen werden.
Dazu gehört auch der beidseitig weitausladende "Fuß"
der Linie, welcher durch Thompson-Streuung der in der Gashülle emittierten
Lichtquanten an den Elektronen des Plasmas der Hülle entsteht. Diese
Photonen "fehlen" ja im Kern der Emission (dem hohen peak).
Sie müssen in die W einbezogen werden, will man die Gesamtlinienintensität
der emittierten Halpha Photonen erfassen.
Hier wird deutlich, dass zur Auswertung eines Spektrums und seiner Linien
eine gehörige Portion Kenntnis über die Physik des Objekts gehört.
Sonst sind naive Fehlinterpretationen unvermeidlich.
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