Die
Aufloesung R
Die relative Auflösung (nachfolgend einfach nur R wie resolution
genannt) ist eine Kennzahl, die das kleinste im Spektrum noch aufgelöste
Wellenlängenintervall (nennen wir es "deltaLambda") charakterisiert.
Die Auflösung R ist dann
R = Lambda / deltaLambda
wobei Lambda die gerade betrachtete Wellenlänge ist. Da deltaLambda
bei Gitterspektrographen nur wenig von Lambda abhängt, wird R wellenlängenabhängig.
Ist z.B Lambda = 6563 Angström und deltaLambda = 0,45 Angström ist
R = 0,45 / 6563 = 14584. Bei Lambda = 4861 ist dann R = 10802 (gleiches deltaLambda
vorausgesetzt).
Das kleinste im Spektrum noch aufgelöste Wellenlängenintervall kann
man sich mit simspec
berechnen lassen. Noch besser ist natürlich die experimentelle Kontrolle
des Meßinstrumentes. Aber wie?
Beim Spaltspektrographen ist die Lösung ganz einfach. Hier wird
ja der Spalt im Lichte des Meßobjektes auf das CCD Chip abgebildet. Und
die Spaltbreite in uns ist ja bekannt (durch Messung mit dem Justierlaser, Methode
siehe hier).
Ist unser Spaltspektrograph ein Littrow-Spektrograph (wie der Lhires III), dann
wird der Spalt 1:1 auf das Chip abgebildet. Bei 9 um großen Pixeln sollte
ein 40 um-Spalt auf 4 Pixel abgebildet werden (scharfe Abbildung = Fokussierung
des Spalts auf das CCD vorausgesetzt). Mit der bekannten Dispersion des Spektrographen
(aus Neonkalibrierspektren oder aus Sternspektren durch Vermessung identifizierter
Linien gewonnen) ergibt sich das kleinste im Spektrum noch aufgelöste Wellenlängenintervall.
Beispiel: 9um Pixel, 0,11 Angström/Pix Dispersion -> deltaLambda = 0,44
Angström bei Abbildung des Spaltes auf 4 Pixel.
Das haben wir jetzt gedanklich und durch Berechnung gelöst. Wir sollten
aber das Ergebnis experimentell überprüfen: Wir nehmen ein Neonkalibrierspektrum
auf und vermessen die FWHM der Spaltabbildungen {FWHM (Full Width at Half Height)
= Breite der Linien auf halber Höhe}. Das kann man in VSpec tun, natürlich
auch in MIDAS, automatisch bekommt man es in SMS geliefert. Wenn die Fokussierung
des Spalts auf dem CCD gut ist, wird man Übereinstimmung zwischen Theorie
und Meßergebnis finden.
Bei spaltlosen Spektrographen ist das auflösungsbestimmende Element
das Seeingscheibchen des beobachteten Sterns. Hat das 40 um im Durchmesser,
ergibt sich daraus die gleiche Auflösung wie im obigen Beispiel mit dem
Spaltspektrographen mit 40 um Spalt. Allerdings ist jetzt die erzielbare Auflösung
durch das seeing begrenzt und damit wetterabhängig. Je nach seeing erzielt
man unterschiedliche Auflösungen mit dem gleichen Equipment.
Für spaltlose Spektrographen kann man die Eigenschaft der terrestrischen
Linien nutzen. Gut geeignet sind die "Wasserlinien", die sehr
scharf sind, nur wenige hundertstel Angström breit. Sie werden entsprechend
dem geringeren Auflösungsvermögen unserer Spektrographen "unscharf"
abgebildet, also verbreitert und verschmiert. Wir sehen also in Wirklichkeit
nicht die Wasserlinien im originalen Linienprofil, sondern das ursprüngliche
Linienprofil wird mit dem "Unschärfeprofil" = Apparateprofil
unserer Optik und der Größe des Seeingscheibchens gefaltet. Durch
Ausmessung der FWHM der Wasserlinien wird das reale R bestimmt. Das reale R
hängt neben dem konstanten Apparateprofil von der variablen Größe
des Seeingscheibchens, also auch vom aktuellen Seeing und der Güte der
Fokussierung des Sternscheibchens im Kollimatorfokus ab.
Beispiele: