Spektrographentypen
und ihre Funktionsweise
| Spektrographen spalten einen Wellenlängenbereich
elektromagnetischer Strahlung (innerhalb des Arbeitsbereichs und
der verfügbaren Auflösung) in quasi-monochromatische Strahlung
auf. Wir arbeiten im optischen Bereich, d.h. bei Wellenlängen zwischen grob
4000 und 7000 Angström = 400 bis 700 nm (0.0000004 bis 0.0000007 m). Man
kann sich das vorstellen wie ein Fächer: Im zusammengeklappten Zustand repräsentiert
er das "weiße" Licht, das ein Stern oder sonstiges Objekt in Richtung des
Beobachters sendet. Wird der Fächer durch das dispergierende Element des
Spektrographen geöffnet, werden die verschiedenen Farben sichtbar, die unterschiedlichen
Wellenlängen der am "weißen" Licht beteiligten Photonen. Photonen = kleinste Enheiten elektromagnetischer Strahlung = kleine lokalisierbare Wellenpakete bestimmten Energieinhalts. Ihre Energie bestimmt ihre Farbe = Wellenlänge des Photons. Das wesentliche Teil eines Spektrographen ist dieses dispergierende Element, ein Kunstobjekt, welches Licht aufzuspalten vermag. Im sichtbaren Licht verwendet man Prismen und optische Gitter (andere Spezialitäten können wir als Amateure außen vor lassen).
Zu verschiedenen Spektrographentypen siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Spektrograph. |
|
![]() |
Der einfachste Spektrograph besteht aus einem dispergierenden
Element (also Prisma oder Gitter) und einer Kamera
(= abbildende Optik) und einem Detektor.
Als Detektor kommt das Auge in Frage (dann spricht man von einem Spektroskop),
für lichtschwache Objekte benutzt man empindlichere Detektoren wie das
Auge, früher vor allem die photografische Platte, heute bevorzugt elektronische
Detektoren wie CCD- oder Digitalkameras. |
![]() |
Um auch lichtschwache Objekte spektroskopieren zu können bedient
man sich einer Lichtsammelmaschine. Das ist das Teleskop.
Dieses konzentriert das Licht, das durch seine Öffnung fällt, in einem kleinen
Bild des Sterns im Fokus. Anschließend wird das Licht des kleinen (meist
15 bis 60 um kleinen) Sternscheibchens mit einem weiteren Linsensystem,
Kollimator
genannt, wieder in paralleles Licht umgewandelt. Allerdings ist
dieses Lichtbündel viel schmaler wie die Öffnung des Teleskops und dementsprechend
konzentrierter = heller. Kollimator und Teleskop sollten das gleiche Öffnungsverhältnis
haben. Dann wird der komplette Lichtkegel aus dem Teleskop, der
sich im gemeinsamen Fokus von Teleskop und Kollimator schneidet (Spitze
des Kegels) und in Richtung Kollimator wieder öffnet, auch vom Kollimator
komplett ohne geometrische Lichtverluste erfasst und als paralleles Strahlenbündel
zum Gitter oder Prisma weitergeleitet
(siehe Abbildung, Maße nur zur Demonstration der Gleichheit der Öffnungsverhältnisse
(Linsendurchmesser/Brennweite) von Teleskopöffnung und Kollimator, hier
rund 1,3 : 1. Typische Öffnungsverhältnisse liegen zwischen 1 : 4 und 1
: 15). Während also der Staranalyser mit dem direkt parallel ankommenden Sternlicht arbeitet (ohne "Aufkonzentrierung") dient die Kombination aus Teleskop und Kollimator nur der Lichtsammlung, also Aufkonzentrierung des in die Telekopöffnung fallenden Lichts. Genau genommen gehören also Teleskop und Kollimator zusammen (obwohl der Kollimator im Spektrographen untergebracht ist). Vorne fällt paralleles Sternlicht in die Teleskopöffnung und hinter dem Kollimator tritt es verdichtet und parallel wieder aus. Hier könnte man also wieder eine einfache dispergierende Einheit wie den Staranalyser (Transmissionsgitter+ Kamera+ Detektor) anbringen und hätte damit ein einfaches Spektrographensystem zu Verfügung, das bereits das Spektroskopieren recht lichtschwacher Sterne mit geringer Auflösung erlaubt. |
| Typ des Dispersionselementes |
Vorteile |
Nachteile |
| Prismen |
|
|
| Gitter |
|
|
| In den letzten 10 Jahren haben sich die Gitterspektrographen
im Amateurbereich durchgesetzt. Mittlerweile treten sogar die hochauflösenden
Echellespektrographen
in die Amateurszene. Sie haben den großen Vorteil, dass das gesamte
Wellenlängenspektrum von 350 bis 700 nm auf einmal abgebildet wird, aufgeteilt
in ca. 30 bis 50 "Ordnungen" = Teilspektren, die dann per Software zu einem
langen Spektrum aneinandergehängt werden können. Beispiele siehe Baches, Christian Buil. Allerdings ist auch hier nochmal zu betonen, dass es auf die Meßaufgabe ankommt, welcher Spektrographentyp der "Richtige" ist. |
|
![]() |
Der für den Selbstbau gut geeignete und in vieler Hinsicht
für den Amateur wertvolle Spektrographentyp ist der klassische
Gitterspektrograph mit drehbarem Reflexionsgitter (siehe nebenstehende
Grafik). Die Kamera bildet wegen der hohen Auflösung (breiter "Fächer")
nur einen Teil des optischen Wellenlängenbereiches ab (in der Grafik grünes
Licht). Durch Drehen des Gitters lässt sich der gewünschte Spektralbereich
auf dem Detektor einstellen. Mein
erster Spektrograph war genau nach diesem Modell gebaut. Der Winkel zwischen den beiden optischen Achsen des Kollimators und der Kamera (Gesamtbeugungswinkel) spielt eine wichtige Rolle. Er sollte möglichst klein sein, damit auch Gitter mit hoher Strichzahl (hohe Dispersion) verwendet werden können. Eine 90°-Konstruktion, wie sie beim Dados realisiert ist, begrenzt den Spektrographen auf niedrige Auflösungen (max. 900 Linien/mm-Gitter). Gitter mit höherer Dispersion sind nicht mehr einsetzbar. Mein erster Spektrograph hatte einen Gesamtbeugungswinkel von 45°, was auch schon nicht optimal war. Ich konnte noch ein Gitter mit 1200 Linien/mm verwenden (R ca. 6000). |