Entfernung
terrestrischer Linien
Terrrestrische Linien werden mit steigender Auflösung ab R>8000
immer störender, allerdings werden sie dann auch aufgelöst und sind
damit prinzipiell eliminierbar. In niedrig aufgelösten Spektren sind sie
auch im Ergebnis (Spektrum) enthalten, sie sind aber nicht mehr aufgelöst.
D.h. in einer breiten Halpha Linie eines Sterns sind sie
als kontinuumverzerrender Anteil versteckt, sind aber nicht aufgelöst und
deshalb nicht eliminierbar. In diesem Falle hat man keine Möglichkeit mehr,
die Wirkung der terrestrischen Linien (Vortäuschung einer höheren
Äquivalentweite EW) aus dem gemessenen Spektrum herauszurechnen.
Die Intensitäten (Äquivalentweiten W = Fläche unter einer Linie
im normierten Spektrum) der terrestrischen Linien sind abhängig von
- der Luftfeuchtigkeit (Wetter),
- der Höhe des Objekts über dem Horizont (Luftmasse),
- der Höhe des Beobachters über dem Meeresspiegel (Luftmasse).
Deshalb werden professionelle Spektrographen möglichst an Teleskopen verwendet,
die auf einem hohen Berg in Gebieten geringer Luftfeuchte (an der Grenze einer
Wüste) liegen.
Das Verhältnis der Wasserlinien (abgekürzt WL) untereinander ist konstant.
Dasselbe gilt für die Sauerstoffbanden. Hat man ein aus der Praxis abgeleitetes
Modellspektrum der terrestrischen Linien und faltet dieses mit der Apparatefunktion
(praktisch durch Modellierung mit einer modifizierbaren Gaußfunktion),
kann man das theoretische Spektrum als Normierungsspektrum auf das gemessene
Spektrum anwenden und damit die terrestrischen Linien "herausnormieren",
salopp gesagt das Spektrum "trocknen".
Dafür bietet beispielsweise VSpec ein tool, das mit der Maus bedient
wird und sehr anschaulich ist. In MIDAS verfüge ich über ein
Skript, das diese Aufgabe auch mit einem Befehl erledigt.
Beispiele:
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Die Grafik links zeigt die Halpha Linie von Mizar
A. Das untere Spektrum mit den scharfen spikes der Wasserlinien ist das
gemessene. Im oberen Spektrum sind die Wasserlinien mittels MIDAS bis
auf geringe Reste entfernt. Die Reste entstehen durch
- Ungenauigkeiten in der gewählten (angenommenen) Apparatefunktion,
- Ungenauigkeiten in der Kalibrierung,
- von der Gaußform abweichende Linienprofile.
Bei hohen Genauigkeitsanforderungen bei der Bestimmung von Linienäquivalentweiten
(W) müssen die terrestrischen Linien eliminiert werden, weil sie
typischerweise um ca. 5% erhöhte W's vortäuschen. Die 5% sind
nur ein Faustwert. In Wirklichkeit hängt das von den oben genannten
Faktoren ab.
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Hier ein zweites Beispiel:
Die Grafik nebenan zeigt das verwendete Referenzspektrum der terrestrischen
Linien in einem schmalen Wellenlängenausschnitt. Dies ist die grafische
Umsetzung einer Tabelle der ESO, welche die Wellenlängen und die
relative Intensitäten der einzelnen Linein enthält.
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Um obiges Referenzspektrum verwenden zu können, müssen die
1 Pixel scharfen Linien in obigem Diagramm in Gaußprofile verwandelt
werden. Dies geschieht innerhalb MIDAS durch eine Funktion, welche mit
der aus dem gemessenen Spektrum ermittelten FWHM (Halbwertsbreite) der
Wasserlinien und einem vom Nutzer anzugebenden Intensitätsfaktor
(der die beobachtete Intensitäten der WL im gemessenen Spektrum repräsentiert)
die "theoretischen" Wasserlinien so "formt", dass
sie sich etwa mit den gemessenen Wasserlinien decken. Exakt ist das natürlich
nicht möglich, weil gemessene Linien nur angenähert ein Gaußprofil
haben.
Genau dieses auf ein individuelles Spektrum angepasste Referenzspektrum
ist links dargestellt. Es zeigt obiges theoretische Spektrum jetzt so,
als hätte ich es an einem Stern gemessen, der selbst nur ein wellenlängenunabhängiges
Kontinuum besitzt.
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Links ist ein mit schwarzer Linie dargestellte gemessene Spektrum
von eps Aur dargestellt. Auf dieses wurde obiges angepaßte Referenzspektrum
angewendet (Normierung). Das Resultat ist rot gezeichnet. Die Wasserlinien
sind deutlich reduziert. Die verbleibenden Reste würden in einer Äquivalentweitenbestimmung
keine Rolle mehr spielen. |
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